HomeNewsInternMülheimer SV 07 - SF Hamborn 07 3:2 (3:2)

1. Runde Niederrheinpokal: SF Hamborn 07 - SF Baumberg 4:5 (2:1)

sportfreunde hambornsportfreunde baumberg -Hamborner Löwen verschenken in der letzten Viertelstunde die Pokalsensation gegen den Oberligisten - 70 starke Minuten und eine 4:1 Führung reichen dem Team von Michael Pomp in Überzahl nicht zum Sieg -

Wenn ein Bezirksligist gegen einen Oberligisten im Pokal denkbar knapp verliert, hört es sich so an, als ob der klassentiefere Gegner dem Favoriten das Leben schwer gemacht und mächtig geärgert hat, und mit Stolz geschwellter Brust vom Feld gegangen ist.

Als Schiedsrichter Torsten Schwerdtfeger nach 94 Minuten das Pokalspiel zwischen den Sportfreunden Hamborn 07 und den Sportfreunden Baumberg beim Stand von 4:5 beendet hatte, war es völlig anders. Frust und Ratlosigkeit auf Seiten der Gastgeber, ausgelassene Freude bei den Gästen aus Monheim am Rhein, als ob diese den Pokal gewonnen und nicht einfach eine Pflichtaufgabe erledigt hätten. 

Was war geschehen? Rund 70 Minuten hatten  die Hamborner Löwen an einer faustdicken Überraschung in der ersten Runde des Niederrheinpokals gearbeitet, hatten durch Tore von André Meier (20.), Tim Keinert (35.), Kai Neul (49.) und Oliver Rademacher (52.) - bei zwischenzeitlichem 1:1 Ausgleich durch Ali Can Ilbay - gegen den Oberligisten eine komfortable 4:1 Führung herausgespielt, Spiel, Ball und Gegner kontrolliert. Als der Baumberger  Maximilian Radidai nach einem rüden Foul an Andre Meier in der 65. Minute die Rote Karte sieht, scheint das Spiel gelaufen.

Nach einer Trinkpause in der 70. Minute kippt die Partie jedoch aus unerfindlichen Gründen. Zunächst kann der gut aufgelegte 07-Schlussmann Dominik Schäfer durch einige Glanzparaden noch den Anschlusstreffer der Baumberger verhindern, ist dann aber gegen Louis Klotz in der 74. Minute machtlos. Es ist der Dammbruch. Der Oberligist kombiniert in Unterzahl gegen zu passive Löwen plötzlich  nach Belieben und dreht in wahnsinnigen 10 Minuten die Partie durch Treffer von Ali Daour (81. und 88.) und Alon Abelski (90.), die in der Löwen-Defensive auf zu wenig Widerstand stoßen.

Löwen-Coach Michael Pomp, der - wie wohl viele andere  auch -  das Gesehene erst einmal verdauen musste, sah sich an das Relegationsspiel in Moers erinnert: „Wir kontrollieren 70 Minuten das Spiel, geben es dann aus unerklärlichen Gründen aus der Hand und kassieren im letzten Moment die entscheidenden Gegentore.“

Mit Blick auf die kommenden Aufgaben in der Meisterschaft hofft der Hamborner Übungsleiter: „Die Mannschaft musste heute schmerzlich erkennen,  dass Konzentration und Einsatz bis zur letzten Minute aufrecht erhalten werden müssen, um auch eine Führung über die Zeit bringen zu können.“

Das, was die Löwen zunächst auf den Platz gebracht hatten, war aber aller Ehren wert, wenn man bedenkt, dass Michael Pomp auf 14 Spieler verzichten musste, darunter Akteure wie Bora Karadag und Marvin Hitzek. Mit David Gehle saß - neben ein, zwei Spielern aus der Reserve - nur ein potentieller Ersatz auf der Bank, so dass Verschleißerscheinungen nur bedingt kompensiert werden konnten.

Nach einer kurzen Abtastphase, in der die ganz ins Blau gekleideten Baumberger zunächst initiativer waren, fand Hamborn besser ins Spiel und hielt den Oberligisten gut in Schach. Nach einem Fehler der Baumberger im Aufbauspiel geht André Meier im Mittelfeld dazwischen, tankt sich mit einem beachtlichen Solo durch die Reihen der Monheimer und schiebt trocken und flach ins linke Eck: 1:0 Hamborn (20.). 

Die Antwort der Gäste lässt nicht lange auf sich warten. Nachdem Christian Krone nach klugem Zuspiel von Robin Hörnig zunächst knapp rechts verzieht (23.), ist der nächste Angriff der Baumberger erfolgreicher. Eine schöne Stafette, eingeleitet von Kosi Saka auf Robin Hörnig vollendet Ali Can Ilbay zum 1:1 (25.).

„Mehr Kommunikation hinten!“ hatte Michael Pomp kurz zuvor gefordert - leider ungehört.

Nach einer ersten Trinkpause ging es weiter. Baumberg ist am Drücker, hat durch Alon Abelski über rechts die nächste dicke Chance, doch dessen Lupfer geht sowohl über Löwen-Keeper Dominik Schäfer als auch über den Hamborner Kasten hinweg (30.).  Nach einer Ecke von Robin Hörnig prüft Maximilan Nadidai mit einem Kopfball Dominik Schäfer, der aber sicher pariert (33.). 

Hamborn bemüht sich, kommt aber zunächst nicht zwingend vor das Tor der SFB, bis sich Tim Keinert über die linke Seite durchsetzen kann, sich in den 16er tankt und mit einem herrlichen Drehschuss in den rechten oberen Winkel trifft: 2:1 (35.). 

Baumberg hält dagegen, macht immer wieder über die rechte Seite Alarm mit Robin Hörnig, Alon Abelski und Christian Krone. Nach einer kleinen Konfusion in der Hamborner Defensive kommt Ali Can Ilbay frei im 16er zum Schuss, zieht aber über das Tor (38.) - riesiges Glück für Hamborn!

Kurz vor dem Seitenwechsel können sich beide Keeper noch einmal auszeichnen. Zunächst auf Baumberger Seite Tayfun Altin, der gegen den heranstürmenden André Meier mit einem tollen Reflex pariert (44.), dann Dominik Schäfer, der sich lang macht und einen platzierten Fernschuss noch um den Pfosten lenken kann (45.).

Mit der knappen Hamborner 2:1 Führung geht es in die Pause.

Baumberg kommt mit Druck aus der Kabine, 07 lauert auf Konter. Nach einem Foul an Tim Keinert, der sich über die linke Seite durchgewuselt hatte, gibt es Freistoß für Hamborn von der linken Strafraumecke. Burak Öktem zirkelt das Leder über die Baumberger Mauer hinweg an die Latte, Kai Neul steht goldrichtig im Strafraum und vollendet den Abpraller zum 3:1 (49.). 

Es läuft bei den Löwen, denen jetzt scheinbar alles gelingt, auch weil sie sich nicht hinten einigeln, sondern weiter mutig nach vorne spielen.

Eine Ecke von Burak Öktem von der rechten Seite nimmt Oliver Rademacher im 16er direkt - das Leder schlägt unhaltbar zum 4:1 in der linken Torecke ein (52.). Torwart Altin war die Sicht versperrt und sah den Ball zu spät.

Wenig später trifft André Meier gar zum vermeintlichen 5:1, wird aber wegen einer angeblichen Abseitsstellung zurückgepfiffen (55.).

Es klappt viel bei „07“, Baumberg bleibt am Drücker. „Brust raus!“ ist die Parole, die von nun an von der Gästebank immer wieder zu hören ist. Der Oberligist will den Anschluss, Hamborn wehrt sich geschickt und bleibt durch Konter gefährlich.

Als André Meier über die rechte Seite durchstartet, grätscht Maximilian Nadidai böse dazwischen und hält den Löwen brutal von den Beinen. Konsequenterweise gibt es für Rote Karte, was teilweise zu heftigen Protesten der Baumberger führte, die sich durch die ein oder andere Entscheidung des Schiedsrichters benachteiligt fühlten.

Torsten Schwerdtfeger ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen.

Baumberg bleibt giftig und gefährlich. Es folgen die großen Momente des Dominik Schäfer. Zunächst fischt der Löwen-Keeper einen wunderbar von Robin Hörnig getretenen Freistoß aus 18 Metern aus dem Winkel (70.). Dann klärt Schäfer - nachdem es eine zweite Trinkpause gegeben hatte - zweimal hintereinander gegen Robin Hörnig mit tollen Reflexen. Jener Hörnig hatte einfach kein Glück, traf er doch kurze Zeit später auch noch den Pfosten (74.).

Wer jetzt meinte, die Löwen hätten das Glück des Tüchtigen, sah sich wenig später getäuscht. Louis Klotz tänzelte sich nach schönem Zuspiel durch die Hamborner Abwehr und tunnelt auch noch den wackeren Dominik Schäfer: der 2:4 Anschluss war hergestellt (74.). 

Der Treffer befeuerte natürlich die Baumberger, die nun - trotz Unterzahl - das Spiel an sich rissen. Es entwickelte sich eine Abwehrschlacht der Löwen, deren Konzentration und Physis aber zunehmend nachließen. Trotz intensiver Mahnung seinerseits, musste  Michael Pomp mit ansehen, wie sein Team den Oberligisten zunehmend gewähren ließ.

Dieser fuhr nun seine ganze Klasse und Routine aus, setzte die entscheidenden Nadelstiche und Pässe und dreht das Spiel.

Alon Abelski legt auf den quirligen Ali Aour, der das Leder flach zum 4:3 ins lange Eck schiebt (81.); Daour ist es auch, der kurz  darauf den 4:4 Ausgleich markiert (89.). 

Hamborn hat nun kaum mehr etwas dagegen zu setzen; Entlastung gibt es nicht mehr. Letzte Hoffnungen zumindest auf eine Verlängerung zerstört Alon Abelski mit dem  4:5  in der letzten Minute der regulären Spielzeit. Es gibt noch vier Minute drauf; die helfen den Löwen allerdings auch nicht mehr - der Pokalwettbewerb ist für sie an dieser Stelle beendet.

Schade für Hamborn, dass wieder gezeigt hat, dass es guten Fußball spielen und mit höherklassigen Gegnern durchaus mithalten kann, dies allerdings nicht mit letzter Konsequenz oder Konstanz. Trotzdem Respekt für diese Leistung!

Ein großes Kompliment aber auch an Baumberg, das große Moral und Professionalität bewiesen und durchaus verdient die nächste Pokalrunde erreicht hat, insbesondere, wenn man die Vielzahl nicht genutzter Möglichkeiten noch mit

in die Waagschale wirft. „Baumberg hat eine ganz andere Qualität als wir; die gehören nicht ohne Grund zu den besten fünf Mannschaften in der Oberliga“, würdigte Michael Pomp den Gegner nach der Partie.

Ebenfalls ein Kompliment an für den Gäste-Fanclub „Baumberger Jungs“, der über die gesamte Spielzeit sein Team lautstark unterstützt hat, auch als es scheinbar uneinholbar mit 1:4 zurücklag und einen Mann weniger auf dem Platz hatte. Der Sound der mitgebrachten Trommel erinnerte übrigens ein wenig an Manolo, den „Trommler vom Bökelberg“, der zwischen 1977 und 2002 bei den Fohlen-Fans in Mönchengladbach einheizte. In Hamborn existiert auch noch so ein Gerät - vielleicht sollte man es reaktivieren...

Für Michael Pomp und seine Jungs liegt der Fokus nun auf der Bezirksliga-Meisterschaft, die am kommenden Sonntag direkt mit einer Englischen Woche startet: Zunächst geht es für die Löwen am Sonntag zur Spielvereinigung Sterkrade 06/07 (Anpfiff 15.00 Uhr), dann ist am Mittwoch darauf Viktoria Buchholz zum ersten Stadtderby zu Gast im Holtkamp (Anstoß 19.30 Uhr).

SF Hamborn 07: Schäfer, Schütz, Neul, Öktem, Camdali, Keinert (84. Gehle), Meier, Ay, Rademacher, Grevelhörster, Gronemann.

SF Baumberg: Altun, Steinfort, Horiuchi, Nadidai, Saka, Klotz, Hörnig, Abelski, Krone (60. Oehlers), Ilbay (46. Daour),  Knetsch (60. Jöcks).

Schiedsrichter: Torsten Schwerdtfeger 

Tore: 1:0 Meier (20.), 1:1 Ilbay (26.), 2:1 Keinert (35.), 3:1 Neul (49.), 4:1 Rademacher (52.), 4:2 Klotz (74.), 4:3 Daour (81.), 4:4 Daour (89.), 4:5 Abelski (90.).

Gelbe Karten: Steinfort (47.), Ay (70.), Oehlers (77.), Keinert (83.), Jöcks (90. + 3), Gehle (90. + 4).

Rote Karte: Nadidai (65.)

Zuschauer: 200


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